„Damit alles stimmt und man nicht das falsche Stück absägt!“ – Betriebspraktikum der 9. Jahrgangsstufe im Frühjahr 2018

Im Praktikum muss man gut zuhören können, um keine Fehler zu machen. Dies scheint auch ein Trend zu sein: manche Schülerinnen bzw. Schüler haben sich bewusst für Berufe entschieden, in denen man gut zuhören muss. Soziale Berufe mit Kleinkindern, Schülern, Behinderten, alten und sogar demenzkranken Menschen waren stark vertreten. Dieses Jahr waren die beliebtesten Bereiche: Maschinenbau, Bank und Einzelhandel. Auch unser Partnerunternehmen, die swa, war mit all seinen Ausbildungsberufen beteiligt. Nun zum Ablauf einer fiktiven Praktikumswoche:

Montag:

„Ich hatte mir viele Gedanken gemacht. Was könnte alles schief gehen? Doch heute morgen war alles in Ordnung. Da ich noch keine Sicherheitsschuhe trug, fuhr ich erst einmal mit einem Mitarbeiter zu Kunden, um Produkte auszuliefern und auf dem Rückweg besorgten wir dann die Schuhe. Gut geschützt bekam ich eine ausführliche Führung durch den Betrieb und eine Sicherheitseinweisung. Daraufhin kam ich zu Jürgen, der stellte gerade eine Säge ein und ich half ihm dabei. Danach gingen wir in den zweiten Stock, wo wir Teile für die Aufhängung großer MAN-Motoren zusammenschraubten. Nach einer Pause überprüften wir dann verschiedene Metallteile, lagerten und verpackten sie. Ich wurde herzlich aufgenommen und bekam Einblick in viele Teile des Unternehmens.“ (Simon in der Zerspanungs- und Fertigungstechnik, 9 b)

Dienstag:

„Heute war ich ab 9:00 Uhr in der Abteilung “Real Estate Development”, mein Betreuer informierte mich darüber, was man alles als Immobilienkaufmann machen muss, wenn man ein Grundstück gekauft hat. Das dauerte ganz schön lang. Danach habe ich die Stromzählernummern, Heizungsdaten usw. in ein Tabellenkalkulationsprogramm übertragen. Später schrieb ich noch den Zählerstand mit der Zählernummer in ein anderes Programm. Um 16:30 Uhr war Feierabend.“ (Luca im Immobilienunternehmen, 9 a)

Mittwoch:

„Um 7:00 Uhr sind wir in den Siebentischwald gefahren, um dort ein 20 Quadratmeter großes Waldstück zu roden. Ich habe dabei mit der Axt Wurzelstöcke aus dem Boden gehackt. Danach sind wir in den Pflanzgarten gefahren, um eine Lkw-Ladung Zaundraht abzuladen. 50 Meter des gelieferten Materials haben wir zusammen mit 25 Pfosten auf den Anhänger geladen, so dass wir in Ottmaring einen Zaun bauen konnten. Dabei haben wir zu zweit die Pfosten in den Boden geklopft und den Zaun an die Pfosten genagelt. Am Nachmittag sind wir in ein Wildgehege gefahren, wo 40 Dammhirsche leben. Dort musste dringend ein Zaun repariert werden, weil ein Keiler durchgelaufen ist.“ (Tim beim Förster, 9 a)

Donnerstag:

„Wie immer startete ich um 10:30 Uhr. Wieder war ich am Vormittag schon in der Küche und half bei den Vorbereitungen. Ich habe zum Beispiel Gurkensalat machen dürfen. Zwar hatte ich Angst etwas falsch zu machen, weil mein Gurkensalat eben gut genug für das Restaurant sein musste, aber es hat prima funktioniert. Bei Fragen war ja noch ein anderer Koch da, der selbst Karottensalat gemacht hat. Zwischendurch half ich den Mädchen vom Abspüldienst, bis schließlich um 18:30 Uhr der Arbeitstag zu Ende war.“ (Johannes in der Restaurantküche, 9 a)

Freitag:

„Jetzt kenne ich alle Namen! Als ich kam, begrüßten mich alle Kinder ganz fröhlich. Dann ging es richtig los und ich wurde gleich gebeten, ein Bild für jemanden zu malen. Ich sollte drei Charaktere von Lego malen. Als ehemaliger Fan wusste ich natürlich, wie ich das machen musste. Danach habe ich mit mehreren Kindern etwas gespielt, von dem ich nicht weiß, wie das Spielgerät überhaupt heißt. Danach ging ich mit drei Kindern in den Garten. Wir haben Fußball gespielt und geschaukelt. Es tröpfelte und wir gingen wieder hinein. Ich las ein paar Bücher vor, wobei Margarita unbedingt auf meinem Schoß sitzen wollte. Dann aßen alle zu Mittag und wir sind wieder hinaus in den Hof. Ich bin viel gerannt. Jetzt durfte ich in die Pause und am Nachmittag habe ich Bücher vorgelesen, viel gespielt und wieder geschaukelt.“ (Simon in der Kita, 9 b)

Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten konntest du erwerben?

„Geduld und Perfektion“ (Simon, 9 b, Zerspanungstechnik)

„Besonderer Umgang mit behinderten Menschen, Verantwortung übernehmen, Vorbild sein, Arbeit organisieren.“ (Felix, 9 d, Ulrichswerkstätten)

Das Dasein.“ (Stefana, 9 d, Alten- und Pflegeheim)

Vom Arbeitsplatz:

“Man muss gut beobachten können, falls jemand verdächtig rüberkommt.” (Julia, 9 c, Bank)

Lücken im Schulwissen: “Deutsche Rechtschreibung – ich werde daran arbeiten.“ (Iman, 9 a, Tierarzt)

“Ich muss meine Englischkenntnisse verbessern.” (Adrian, 9 c, Industriekaufmann)

„Es hat mir die Augen geöffnet, wie schön es ist, in die Schule zu gehen.“

(Jonas, 9 a, Mediengestaltung)

Schlussfolgerungen der Praktikanten:

„Ich weiß jetzt, dass ich üben muss, selbstsicherer aufzutreten.“ (Anastasia, 9 d, Amtsgericht)

„Es hat mir gezeigt, wie schwer und anstrengend Arbeiten ist – im Gegensatz zur Schule.“

(Furkan, 9 d, Apotheke)

„Es war gar nicht so schlimm, wie ich es anfangs befürchtet hatte.“ (Michael, 9 d, Apotheke)

„Das Praktikum war nützlich, weil ich dort später arbeiten will. “ (Leonardo, 9 c, Tierpfleger)

„Im Laufe der Woche habe ich gemerkt, dass der Beruf nicht meinen Interessen entspricht, aber ich habe trotzdem viele Erfahrungen sammeln können.“ (Ariana, 9 c, Einzelhandel)

„Das frühe Aufstehen hat mich gestört.“ (David, 9 b, Flugzeugbau)

„Ich wurde nicht zum Kaffee holen oder Kopieren geschickt.“ (Jascha, 9 d, Kfz-Werkstatt)

„Das Telefonieren ist sehr unterhaltsam, denn die Menschen erzählen so schöne, lange Geschichten. Die Arbeit macht einfach Spaß!“ (Angelina, 9 d, Amt für soziale Leistungen)

“Super Firma und gutes Essen.” (Michael, 9 b, Modellbau für Gießereitechnik)

“Ich werde Steuerfachangestellte.” (Jessica, 9 b, Steuerkanzlei)

„Das wäre mein Traumberuf!“ (Iman, 9 a, Tierärztin)

Text und Fotos: K. Pavel

Quellen: Berichtshefte der Schüler*innen